Eindrücke von der ersten TechEd KeyNote

Über Messaging hatte ich schon meinen Kollegen darüber informiert, dass manche Besucher der TechEd einen Modedesigner in Angst und Schrecken versetzen würde. Viele der Besucher wirken als hätte man sie zu einem Casting für die IT-Crowd-Serie (http://de.wikipedia.org/wiki/The_IT_Crowd) eingeladen.

Was als Witz gedacht war, brachte mich in der späteren Keynote am Nachmittag noch mal zum Nachdenken. Ein perfekt gestylter Stephen Elop, President Microsoft Business Division, tritt auf. Obwohl er eloquent auftritt und rhetorisch einwandfrei präsentiert, entspricht sein Auftritt einem anderen Stereotyp: den des cold black hearted CFOs.

Er verkündet die neue Vision. Die Wirtschaftskrise existiert. Es ist an der Zeit aufhören, sich Gedanken zu machen, warum sie passiert ist, sie existiert einfach. Um was es jetzt geht, ist sich zu fragen, was nun getan werden muss, um weiter erfolgreich zu sein.

Hier kommen wir zum Schlüssel des ganzen: „The New Efficiency“ – Unserem neuen Schlagwort für die nächsten Monate! Wir müssen Kosten sparen und gleichzeitig werden wir dabei effizienter. In der IT gibt es zahlreiche Möglichkeiten Kosten zu sparen. Und das Ganze funktioniert natürlich dann am besten, wenn Firmen sobald wie möglich auf Windows 2008 R2 und Exchange Server 2010 migrieren. Die IT kann somit zum neuen Helden werden, weil sie etwas tun kann, was nachhaltig die Kosten des Unternehmen reduziert. Im Vortrag gibt es dazu auch einige Beispiele aus der Praxis, die unterstreichen, wie unglaublich die Auswirkungen sind.

Die Art und Weise wie das neue Heldentum der IT aber präsentiert wird, lässt mich auf meine Gedanken des Vormittags zurückkommen. In vier kurzen Videos wird uns ein typischer IT-Systemadministrator gezeigt (oder so wie ihn sich die Macher des Videos vorstellen), wie er daheim im Bett liegt und träumt. Vom Outfit und Aussehen entspricht er 100% einem Stereotyp. Männlich, in frühen Jahren bereits glatzköpfig, Hornbille, leicht untersetzt und offenbar sehr schüchtern, was auch unterstreicht, dass er alleine in einem Einzelbett liegt. Man könnte vermuten, dass diese Person mit 30 noch bei der Mutter wohnt und vielleicht sogar noch Jungfrau ist. Jedenfalls wäre er genau diese Art von Mensch, der in der Schule Prügel kassiert hat, einfach deswegen, weil er existiert.

Im Schlaf arbeitet er seine Sorgen auf und träumt von einer besseren Welt. Er ist der Held der Firma, da durch seine Initiativen die Firma mit dem neuen Windows Server und Exchange Kosten spart. Er wird sogar für die weibliche Belegschaft interessant, die fortan nicht mehr den gestylten Businesstypen begehrlich anstarrt, sondern ihn. Er bekommt eine Krone aufgesetzt und wirkt fortan, wie ein Abbild von „Werner Beinhart“ mit Krone.

Unser neuer Held macht sich keine Sorgen mehr über irgendwelche Security Probleme, da er mit Bitlocker und anderen neuen Technologien seine Probleme löst, wie dass wieder mal einer dieser dummen Business-Typen seine USB-Sticks mit wertvollen Business Daten verliert. Er hat endlich am Wochenende Freizeit, weil er mehr Probleme auch dann beheben kann, wenn andere Kollegen unter der Woche voll produktiv sind. Dieses „Freizeitvideo“ wird in eine kindliche Manier hervorgehoben, indem unser Held mit irgendeinem vermenschlichten Tier am Wochenende den Zoo unsicher macht (Wenn das Wochenende unseres Helden wirklich so aussieht, wird er sich vermutlich bald wieder wünschen, am Wochenende arbeiten zu müssen). Zuletzt wird er noch zum Superrobohelden, der mit Laserstrahlen alles zu Geld macht und zum Überfluss wird auch die Katze im Serverraum zum Sandwich gemacht (heißt das, Systemadministrator in der Regel gefrässig sind?). Kurz gesagt, er ist der neue Held, der Liebling der Firma, der durch sein Wirken jeden CFO in Freudentränen ausbrechen lässt.

Mein erster Eindruck war, dass es mich ungemein stören würde, wenn ich Systemadministrator wäre, und ich von anderen Departments als Freak wahrgenommen werde. Aber, wie gesagt, ein Blick um mich während des Tages machte mir klar, dass hinter so manchem Vorurteil auch ein Körnchen Wahrheit stecken könnte.

Mein zweiter Eindruck sollte jedem, der in der IT arbeitet zu denken geben. Es ist natürlich schön, wenn durch neue Technologien, z.B. Strom oder Netzwerktraffic gespart wird. Das schützt die Umwelt und Aussagen, wie wenn alle auf die neuen Windowsserver umsteigen würden, würde das die gleiche Auswirkung haben, wie wenn wir eine Million Autos von der Straße nehmen, beeindrucken. Doch sind Strom und hoher Netzwerktraffic wirklich die brisanten Kosten? Ich denke da eher an das Video mit der Freizeit. Wenn bessere Technologien weniger Wartungsaufwand bedeuten, bedeutet das nicht gleich, dass die Administratoren, die vielleicht ein paar Monate zuvor noch Stunden damit verbracht haben, Mailboxen zu konfigurieren oder Systemengpässe auszugleichen, automatisch wichtigere Aufgaben wahrnehmen.

Würden deren Chefs – vorausgesetzt natürlich die Admins entsprechen dem negativen Stereotyp – diesen Personen andere, wichtigere Aufgaben übertragen, womöglich Aufgaben mit Kundenkontakt, wo es darum geht mit Auftreten und Eloquenz zu überzeugen? Die meisten Kosten werden immer noch durch Personal verursacht und wenn mit Windows 2008 R2 und Exchange 2010 in einem Betrieb tatsächlich n * 40 Wochenstunden Arbeit eingespart werden, werden vermutlich auch n Personen einen Job weniger haben.

Es wird also nichts mit dem Traum vom so manchen Sysadmin endlich Erfolg bei den Frauen zu haben, weil er durch sein kostenbewusstes Denken der Firma eine Menge Geld erspart und so zum Helden wird. Viel eher wird sein Sex-Appeal noch weiter in die Tiefe sinken, denn ich kann mir nur schwer vorstellen, dass man arbeitslos attraktiver auf das zu beindruckende Geschlecht wird.

Mein Resüee aus dem Ganzen: Manche Sterotype enthalten einen Funken Wahrheit und würde ich der cold blackhearted CFO sein, der die Aufgabe hat, Kosten zu reduzieren, mich würde diese Keynote mehr davon überzeugen, auf die neuen Windowstechnologien zu setzen als einen Techniker. Nicht weil mich die Technologie überzeugt (Als stereotypsicher CFO würde ich vermutlich keinen Schimmer davon haben, um was es im Detail gegangen ist), sondern ich hätte endlich die Gelegenheit mich dieser Nerds, die mein Idealbild von einer schönen Businesswelt der Reichen und Schönen trüben, zu entledigen. Und ich würde auch der Meinung sein, dass ich den Freaks etwas gutes tue, da sie irgendwann in ihrer neuen Freizeit merken müssten, dass es im Leben auch noch etwas anderes gibt, als Geektoys.

Glücklicherweise bin ich weder Nerd noch cold blackhearted. Ich muss also nicht über Personalreduktionen wegen Windows 2008 R2 nachdenken und nicht darüber, ob dieser Server meinen Job kosten könnte. Allerdings ist der Zeitpunkt gekommen, wo ich allmählich die Serie IT Crowd nicht mehr als Komödie sondern als Dokumentation sehe.

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